Varvara Manukyan - Klavier Rezital

Varvara Manukyan - Klavier Rezital - Schostakowitsch, Braunfels, Bach, Silvestrov, Pirumov

Samstag, 25.03.2017, 19:00 Uhr


Varvara Manukyan - Klavier

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
4 Präludien und Fugen aus der Sammlung:
24 Präludien und Fugen op. 87 (1951)
Präludium und Fuge I C-Dur
Präludium und Fuge II a-Moll
Präludium und Fuge V A-Dur
Präludium und Fuge XXII g-Moll

Walter Braunfels (1882-1954)
6 Präludien aus der Sammlung:
14 Präludien op. 33 (1921)
Präludium I cis-Moll
Präludium III E-Dur
Präludium V G-Dur
Präludium VI d-Moll
Präludium IX es-Moll
Präludium XII E-Dur

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Prélude aus der Englischen Suite 6 BWV 811 d-Moll

 - PAUSE - 

Valentin Silvestrov (1937)
Der Bote -1996 (1996-97)

Alexandr Pirumov (1935-1990)
4 Preludien und Fugen aus der Sammlung:
12 Preludien und Fugen (1982)
Preludio und Fuga III a moll
Präludio und Fuga V e moll
Präludio und Fuga VIII b moll
Präludio und Fuga XI cis moll

V. Silvestrov
Zwei Dialoge mit Nachwort
I: „Hochzeitswalzer“ (1826....2002)
II: „Postludium“ (1882....2001)
III. Morgenserenade (2002)

Varvara Manukyan

Varvara Manukyan ist eine Musikerin von besonderem Format: Im Zentrum Ihres Interesses liegt es, sich persönlich beim Spielen der Tasteninstrumente, Hammerklavier, Klavier und Cembalo soweit wie möglich zurückzunehmen und dem Komponisten und der vorzutragenden Komposition soviel Raum zur Entfaltung wie möglich zu geben. Ihre große innere Ruhe und ihre anmutige Demut gegenüber dem vorgegebenem Kunstwerk und dem Komponisten, befähigt sie zu aussergewöhnlichen und unvergesslichen Interpretationen. Konsequenterweise beschäftigt sie sich seit Jahrzenten mit historischer Aufführungspraxis und versucht, für Konzerte Instrumente zu finden, die aus der Zeit der Komposition stammen oder ihnen nachgebaut sind. Ihr Repertoire reicht von den frühesten Zeugnissen für Tasteninstrumente aus dem 16. Jahrhundert bis zur zeitgenössichen Musik, wobei es ihr ein besonderes Anliegen ist, den musikalischen Reichtum ihres Heimatlandes Armenien im Westen bekannt zu machen.
Ihre breitgefächerte Ausbildung als Pianistin und Cembalistin erhielt sie anfänglich in Yerevan, später am renommierten Moskauer Tschaikovsky Konservatorium bei Olga Martynova und an der Hochschule für Musik und Theater München, wobei sie sämtliche Abschlüsse wie auch das Meisterklassenstudium bei Christine Schornsheim mit Auszeichnung absolvierte. Mit einigen Meistern der alten Musikszene wie Ton Koopman, Christopher Stembridge, Davitt Moroney, Andreas Staier, Trevor Pinnock und Bart van Oort vervollkommnete sie ihr Spiel.
In zahlreichen Konzerten in und um München wurden ihre aussergewöhnlichen Interpretationen hoch gelobt . Ihre weitere Konzerttätigkeit sowohl als Solistin und Kammermusikerin führte Varvara Manukyan durch Europa und Asien.

Werke von Braunfels, Schostakowitsch und Pirumov

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass J. S. Bach im 20. Jahrhundert für die Kompositionsgeschichte eine besondere Bedeutung gewann. Denn so mancher Komponist bezieht sich in Bauart und Form seiner Werke auf den barocken Großmeister und seine Kunst, die freie Form des Präludierens, in der die gewählte Tonart spielerisch gesetzt und in typische Bewegungsabläufe aufgelöst wird und im Kontrast zur nachfolgenden streng kontrapunktischen Fuge steht. Der Höhepunkt dieses kontrastreichen Formenpaares ist sein „Wohl -temperiertes Klavier“ (1722 und 1740-42), eine methodisch und kompositionsgeschichtlich einmalige Sammlung von 48 Präludien und den dazugehörigen Fugen in sämtlichen Tonarten. Es geschieht aber auch, dass in einem Präludium fugierte Teile erklingen, wie in dem Bach'schen Prèlude aus der 6. Englischen Suite, die den heutigen Abend beschliessen wird.
Über die formal kompositorische Seite hinaus klingt in vielen musikalischen Referenzen des 20. Jahrhun -derts an J.S. Bach auch eine Hommage an seinen spezifisch musikalischen Ausdruck, das Seelenleben seiner Präludien und Fugen mit.
Varvara Manukyan hat für diesen Klavierabend die Musik eines bekannten Komponisten des 20. Jahrhun -derts, Dmitri Schostakowitsch und zweier selten gespielter Meister, Walter Braunfels und Alexander Pirumov ausgesucht.
Die Präludien von Walter Braunfels wurden 1921, also kurz nach dem ersten Weltkrieg geschrieben. In far-bigen Miniaturen lässt Braunfels teilweise die gedrückte, dunkle Stimmung der damaligen Zeit aufscheinen, mischt aber immer wieder Helligkeit in seine reiche und sehr dicht komponierte Klangfarbenpalette, in der von Bach inspirierte polyphone Strukturen aufscheinen.
1951, in einem gewissen Abstand zum zweiten Weltkrieg, komponierte Dmitri Schostakowitsch seinen 24 Werke umfassenden Präludien- und Fugenzyklus, der sich in Form und Aufbau eng vom Bach'schen Vor -bild leiten lässt und aus dem einige wichtige Beispiele vorgestellt werden. Seine Stücke lassen große Freude am motorischen Spiel und am Spiel mit der musikalischen Flucht, der Fuga erkennen. Dabei erklingen leise Töne im p und pp, ruhige Sphären schwingen in hellen Klangfarben wie eine Katharsis nach der Katastrophe, die nur als kurze musikalische Schreie in Erinnerung gerufen werden.
Ein besonderes Bonnement sind die Aufführungen der Präludien und Fugen aus dem Jahre 1982 von Alexandr Pirumov, dem armenischen Onkel der Tastenvirtuosin Varvara Manukyan, der immer im Exil, zunächst in Georgien und dann in Moskau lebte. Seine Musik ist von Melancholie und dem typisch armeni -schen Melos und Klangkolorit durchdrungen und verbindet so die Seele der armenischen Musik mit den Bach 'schen polyphonen Kompositionskünsten. In seinen Kompositionen verschmilzt die westliche mit der öst -lichen Klangwelt in Klangschönheit, Synthese und Harmonie.
Die Tradition des Brückenbauens setzt seine Nichte Varvara Manukyan fort. Sie ist eine Musikerin von besonderem Format, eine Meisterin der allumfassenden Synthese: Sie verbindet die westliche mit der öst - lichen Kultur, Alte mit Neuer Musik, die auf historischen Instrumenten erlernten Aufführungspraktiken mit zeitgenössischer Klaviertechnik. Sie lässt alte Klangmuster wie durch ein Prisma gehört neu erstehen und bleibt dabei stets in anmutiger Demut gegenüber dem vorgegebenen Kunstwerk und dem Komponisten. All dies sowie die Spannung zwischen Virtuosentum und Zurückhaltung auskostend, bleibt Ihre interpretatorische Handschrift im Ohr.

Christiane Gaspar

Valentin Silvestrov (Ukraine, Kiev, 1937)

Um die Kompositionen Sylwestrows zu verstehen, muss man seine Auffassung von Musik kennen. Einer seiner wichtigsten Überzeugungen kommt man am besten mit einem Zitat der Komponistin Sofia Gubaidulina nah. Hier wird klar, welch große Rolle Religion für Sylwestrow spielt:
„Seiner Meinung nach ist alles schon da – ist alles schon geschrieben worden. Um das zu verstehen, muss man an den Allmächtigen erinnern. Alles ist schon einmal geschaffen worden, man muss nichts weiter tun als aufmerksam dem zu lauschen, was schon da ist, und das wieder aufrufen. Dann fängt wieder etwas an zu schwingen. Es war eigentlich die ganze Zeit schon da, aber jetzt können auch wir die Schwingungen spüren und das als Musik wahrnehmen.“
Darüber hinaus nimmt der Komponist, in Sylwestrows Auffassung, keine wichtige Rolle ein, da er ja nur die Schwingungen auffasst und in Musik umformt, wie das folgende Zitat zeigt:
„Bei der Entstehung von Musik ist der Komponist im Grunde nichts weiter als ein Dämpfer auf dem Klavier. Der eine heißt eben Beethoven, ein anderer Mozart oder x oder y. Je nach seiner Veranlagung filtert so ein Dämpfer dieses oder jenes heraus. Er fasst etwas aus den kaum erfassbaren Wehen der Musik auf und verwandelt es in etwas Einzigartiges. Man darf darin keinen persönlichen Verdienst des Autors sehen.“

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